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GIERSCH
nicht zu unterschätzen: der giersch
mit dem begehren schon im namen – darum
die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch
wie ein tyrannentraum.

kehrt stets zurück wie eine alte schuld,
schickt seine kassiber
durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,
bis irgendwo erneut ein weißes wider-

standsnest emporschießt. hinter der garage,
beim knirschenden kies, der kirsche: giersch
als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch

geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch
schier überall sprießt, im ganzen garten giersch
sich über giersch schiebt, ihn verschlingt mit nichts als giersch.
BINDWEED
do not underestimate the bindweed,
its need for wreathe and stifle rooted deep
in its name – hence the blossom, blinding, white,
as chaste as a tyrant’s dream.

like an ancient crime, an unpaid debt,

it returns to haunt a scene. by cover
of darkness, beneath the fields or a lawn,
it sends out feelers, fires a riot,

rises glorious in green. behind the barn,
convolved in cypress or bean, the unkind
climber spirals; a seething, creeping spume

it twines up walls and roan, choking
windows and drain, trumpeting, binding, abiding,

till nothing breathes but bindweed, and nothing more is seen.